Shopify oder WooCommerce?

Die Systemfrage wird meist zu früh gestellt und mit den falschen Argumenten geführt. Nicht die Funktionsliste entscheidet, sondern wer den Shop in zwei Jahren betreibt und was dann kaputtgehen darf.

·7 Min. Lesezeit·Selin Kartal

Shopify oder WooCommerce?

Frage 1: Wer pflegt den Shop im Alltag?

Das ist die wichtigste Frage, und sie wird fast nie zuerst gestellt. Shopify nimmt dir den technischen Betrieb ab: Updates, Sicherheit, Verfügbarkeit, Skalierung bei Lastspitzen. Dafür zahlst du monatlich und lebst mit den Grenzen der Plattform.

WooCommerce ist ein WordPress-Plugin. Der Shop gehört dir vollständig — samt der Pflicht, WordPress, Plugins und Server aktuell zu halten. Wer das nicht selbst kann, braucht jemanden dafür. Dieser Posten fehlt in den meisten Vergleichsrechnungen.

Frage 2: Wie individuell muss es wirklich sein?

WooCommerce lässt sich weiter aufbohren, das stimmt. Die Frage ist, ob dein Geschäft das braucht. In der Praxis lassen sich die meisten Sonderwünsche auch in Shopify abbilden — über Liquid, Metafelder oder eine kleine eigene App.

Wo Shopify tatsächlich an Grenzen stößt: sehr eigenwillige Preislogiken, tief verzahnte Konfiguratoren und Prozesse, die stark von einem bestehenden ERP diktiert werden. Dann lohnt der Blick auf WooCommerce — oder auf Shopify mit angebundenem System.

Frage 3: Was kostet der Betrieb über drei Jahre?

Shopify wirkt teurer, weil die Kosten sichtbar sind: monatliche Gebühr, Apps, Transaktionsgebühren. WooCommerce wirkt günstiger, weil sich die Kosten verteilen — Hosting, Wartung, kostenpflichtige Erweiterungen, Entwicklerstunden bei Problemen.

Rechne beide über drei Jahre durch, inklusive der Stunden, die jemand für Updates aufwendet. Der Abstand ist meistens kleiner als erwartet, und je nach Betrieb kippt er in beide Richtungen.

Frage 4: Kommst du von einer Plattform?

Wer von Etsy, Amazon oder einem Baukasten kommt, hat ein anderes Problem als die Systemfrage: Kundenbeziehung und Sichtbarkeit gehören bisher der Plattform. Dann zählt vor allem, wie schnell ein eigener Kanal steht, der Stammkunden aufbauen kann.

In genau dieser Lage ist Shopify meist die pragmatischere Wahl, weil weniger Zeit in Technik geht und mehr in Marke und Marketing. Ein Beispiel dafür ist der Umzug von Routinchen von Etsy auf einen eigenen Shop.

Frage 5: Was passiert, wenn etwas ausfällt?

Bei Shopify kümmert sich die Plattform. Bei WooCommerce kümmerst du dich — oder jemand, den du dafür bezahlst. An einem Samstagabend im Weihnachtsgeschäft ist das ein spürbarer Unterschied.

Das ist kein Argument gegen WooCommerce. Es ist ein Argument dafür, die Antwort vorher zu kennen statt im Ernstfall.

Die kurze Fassung

Wenn du verkaufen willst und Technik nicht dein Geschäft ist, nimm Shopify. Wenn du volle Kontrolle brauchst, ungewöhnliche Prozesse hast und jemanden im Haus oder unter Vertrag, der das System pflegt, ist WooCommerce eine ernsthafte Option.

Beides falsch gewählt kostet nicht beim Aufbau, sondern zwei Jahre später — wenn niemand mehr weiß, warum es so gebaut wurde.

Noch Fragen zu deinem Projekt?

Schreib mir kurz, worum es geht — ich antworte innerhalb von 24 Stunden.

Kontaktmöglichkeiten

  • Antwort in 24h garantiert
  • Persönliche Betreuung
  • Keine anonyme Agentur
  • Experten-Beratung direkt

Projektanfrage senden

Bereit für dein nächstes Projekt?

Kostenlose Erstberatung – unverbindlich & innerhalb von 24h.